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02.02.2012, 14:59 Uhr | Übersicht | Drucken
EU-Parlament verhindert irreführende Lebensmittelwerbung

Brüssel, 02.02.12 - Das Europäische Parlament hat heute ein Veto gegen einen Kommissionsvorschlag zur Einführung einer neuen Werbeaussage auf Lebensmitteln eingelegt. Nach dem Vorschlag hätten Hersteller ihre Produkte künftig mit der Aussage "Enthält jetzt 15% weniger Zucker/Fett/Salz" bewerben dürfen. Die Europaabgeordnete und Initiatorin der Resolution, Dr. Renate Sommer (CDU), begrüßt die Entscheidung. Die geplante Werbeaussage hätte Verbraucher gezielt in die Irre geführt und wäre von den Herstellern für die Ankurbelung ihrer Umsätze missbraucht worden.



"Das eigentliche Ziel der Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben ist es, nur solche nährwertbezogenen Angaben zu erlauben, die einen wirklichen Nutzen für die Gesundheit des Verbrauchers bringen und den Verbraucher vor allem nicht in die Irre führen. Die neue Werbeaussage hätte aber genau das Gegenteil bewirkt. Offenbar ist die Europäische Kommission dem Druck der großen Industrie verfallen." so Sommer.

"Zum Glück hat die Mehrheit der Abgeordneten Augenmaß bewiesen und eine Irreführung des Verbrauchers verhindert. Insbesondere bei der Werbung über eine Zuckerreduktion erwartet der Verbraucher nämlich gleichzeitig eine Kalorienreduktion. Bei den meisten Produkten wird der Zucker aber nur durch andere Kohlenhydrate, wie z.B. Stärke ersetzt. Das vermeintlich schlanke Produkt ist auch weiterhin eine Kalorienbombe. Auch die geplante Werbeaussage hätte keine gleichzeitige Kalorienreduktion vorausgesetzt und somit der Irreführung der Verbraucher weiterhin Tür und Tor geöffnet." erklärt Sommer.

Außerdem würde die neue Werbeaussage gegen das Prinzip der vergleichenden Werbung verstoßen. Im Gegensatz zur bereits existierenden Angabe "Zucker/Fett-reduziert" (die eine Reduktion um mindestens 30% vorsieht), muss die neue Werbeaussage nämlich nicht im Vergleich zu Produkten derselben Lebensmittelkategorie gemacht werden. Stattdessen kann ein Hersteller die Reduktion im Vergleich zum eigenen "Vorgängerprodukt" machen. "Das kann dazu führen, dass selbst ein Schokoriegel, der unter allen Schokoriegeln im Supermarkt den höchsten Zuckergehalt hat, die Werbeaussage "Enthält jetzt 15% weniger Zucker" tragen darf. Ein Schokoriegel hingegen, bei dem schon vor einigen Jahren und auf freiwilliger Basis eine Zuckerreduktion vorgenommen wurde, könnte die Werbung nicht mehr aufdrucken und hätte somit schlechtere Chancen auf dem Markt. Das ist ungerecht!" kritisiert Sommer.

"Zum Glück konnten wir uns gegen den Einfluss der großen Lebensmittelindustrie wehren und diesen Unsinn verhindern. Natürlich unterstützen wir generell die Bemühungen zur Verbesserung der Rezeptur von Lebensmitteln. Die anschließende Bewerbung muss aber an klare Voraussetzunge geknüpft sein. Ansonsten kommt es zu einer Flut von neuen Werbeaussagen auf Lebensmitteln, die es dem Verbraucher eher erschwert eine "gesunde" Wahl zu treffen. Wir erwarten, dass Kommission nun einen besseren Vorschlag vorlegt," so Sommer abschließend.


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